Die geologische Entwicklung

Vor ca. 150.000 Jahren begann die Entstehungsgeschichte der Krempermarsch. Sie wurde hervorgerufen durch eiszeitliche Gletschervorstöße in der Saaleeiszeit und einem nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstiegs. Als die Gletscher den Geestrand nicht mehr erreichten, wurde die Geest insgesamt abgetragen und tiefergelegt, während durch Winde Flugsand auf der Münsterdorfer Geestkerninsel aufgetragen wurde. Die sehr großen Mengen an Schmelzwasser wurden durch das Elbeurstromtal abgeführt. Dieser Strom war entlang der Linie Hamburg -> Itzehoe -> St. Michaelisdonn - weitaus größer als die heutige Elbe. Dabei bildeten sich die sogenannten Talsande, die auch heute noch für die Trinkwassergewinnung von großer Bedeutung sind.
Zu diesem Zeitpunkt lag der Meeresspiegel mehr als 100 m tiefer, denn das Wasser der Weltmeere war in dem Eis gebunden.
Nach der Eisschmelze vor ca. 3000 – 4000 Jahren setzt dann die Bildung der Marsch ein. In den flachen Senken, zwischen Hochland und Geest, bleibt das Wasser zurück – die Moorbildung setzt ein.

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Was ist Moor

Moore sind äußerst empfindliche, störanfällige Naturschönheiten, die es unbedingt zu erhalten gilt. Deshalb sollten Sie sich an dem Anblick der moortypischen Tier- und Pflanzenwelt erfreuen, ohne ein Souvenir mitzunehmen oder Abfälle zurückzulassen.
Wollen sich doch noch viele Mitmenschen an der Natur ebenso erfreuen.
Moor ist ein geographischer Begriff wie Gebirge, Seen oder Wüste. Als ein Moor gilt eine mindestens 30 Zentimeter starke Schicht oder Schichtfolge von Torf. Diese ist im Laufe von Jahrtausenden durch Vertorfung von Pflanzen entstanden. Die Torfmoose sind hierbei hauptsächlich für die Bildung von Moor verantwortlich, sie können das 30-fache ihres Eigengewichtes an Wasser speichern. Moore entstehen dort, wo über das ganze Jahr hinweg ein Wasserüberschuss herrscht.
Die Entwicklung der Moore in Nordwestdeutschland begann nach der letzten Eiszeit, vor etwa 10.000 Jahren, hierbei unterscheidet man zwischen den beiden Hauptmoortypen:

Wald

Die Gemeinde Krempermoor verfügt im Bereich der Moorflächen über wertvolle Erlen und Birkenbruchwälder, die gemäß § 15a des Landesnaturschutzgesetzes als gesetzlich geschützte Biotope in die Darstellung des Flächennutzungsplanes übernommen wurden. Große Teile der Waldflächen sind laut Aussage des festgestellten Landschaftsplanes stark entwässert und damit in ihrem natürlichen Bestand gefährdet.
Für den Landschaftsplaner besteht daher das vordringlichste Entwicklungsziel für diesen Bereich in einer Wiedervernässung der ökologisch bedeutsamen Bruchwälder.

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Hochmoor    &    Niedermoor

Hochmoore sind reine Regenwassermoore. Sie haben ihren eigenen, stark sauren, mineral- und sauerstoffarmen Wasserhaushalt, in dem nur wenige Pflanzen gedeihen. Im Gegensatz zu den meist ebenen Niedermooren wölben sich Hochmoore uhrenglasförmig meterhoch über der Mineralbodenoberfläche auf , daher auch Hochmoor.

Moore gibt es auf der ganzen Erde, so zum Beispiel in Finnland, Alaska und Chile.

Niedermoore entstehen hauptsächlich in den Niederungen von Flusssenken und durch die Verlandung von Seen oder in ehemaligen Flussläufen. Wichtigstes Merkmal des Niedermoores ist der Grundwassereinfluss. Durch die Wasserbewegung können Mineralstoffe für die Pflanzenernährung zugeführt werden. Das Grundwasser enthält mehr Sauerstoff als Regenwasser und sorgt für eine schnellere Zersetzung der abgestorbenen Pflanzen, somit ist die Torfbildung geringer als im Hochmoor.

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Torfgewinnung

Je nach Beschaffenheit des Torfbodens gibt es verschiedene Möglichkeiten des Abbaus.
Eine Möglichkeit des Abbauens war das Handtorfverfahren. Hierzu wurden die Geräte Jager und Stikker, Bunkspaten und Kreite sowie Ketscher verwendet.
Um im Winter Brenntorf zur Verfügung zu haben, musste der Torf bereits im Frühjahr gestochen werden. Mit einem Stechgerät ( Stikker) wurden dann die Torfsoden von oben abgehoben und mit dem Torfspaten auf die Torfkarre gelegt.
Von der Abbaustelle wurde der Torf dann zum Trocknen auf das Schlagfeld geschoben. Je nach Wetterlage wurde der Torf mehrfach alle 6 – 8 Wochen umgestapelt. Zum besseren Trocknen wurde immer ein Zwischenraum gelassen.
Wenn dann alle Soden abgetrocknet waren, wurden sie zu Haufen (Bülte) gestapelt.

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Eine weitere Methode zur Torfgewinnung in Krempermoor war das „Torfbacken“, durch das Ketschern der Torferde. Mit einem Ketscher, das war eine 3 - 4 Meter lange Stange, an deren unteren Ende befand sich ein Ketschernetz, dass am Körper in Schulterhöhe befestigt wurde. Damit wurde dann die Torferde von der Kante der Moorkuhle nach oben gezogen und zur weiteren Bearbeitung an Land auf einen Haufen geworfen oder auf dem Wasser in einem Kahn gesammelt.
Das war eine sehr mühsame und schwere Arbeit. Dann begann die Weiterverarbeitung des geketscherten Moorbodens. Hierzu wurde die Torferde „durchgerührt“. Dies geschah dann entweder in einer Karre, an der sich mehrere Messer befanden, die sich bei Bewegung drehten oder an einer fest installierten Maschine.

Aus diesem Brei wurden dann die Soden geformt, indem sie in eine Holzform gegossen wurden. Durch das Verstreichen floß das Wasser heraus, der Torf blieb übrig. In der Holzform konnte dann der Torf abtrocknen. Diese Form hatte zum Beispiel eine Größe von 84 brikettgroßen Torfsoden, die in 6er Reihen nebeneinander „gebacken“ wurden. Nach einer gewissen Abtrocknungszeit wurde die Form abgehoben und wieder gefüllt, so konnten täglich mehrere tausend Torfsoden gefertigt werden. Nun lag es an Sonne und Wind, wie schnell das Trocknen vor sich ging. Im Anschluss konnten dann die Soden geringelt werden, das heißt, man stapelte alles zu kleinen ringförmigen Haufen (gestukt). Waren die Soden nun genügend duchgetrocknet, wurden sie zu einem großen Haufen gestapelt und nach ein paar weiteren Tagen abgefahren.
So kamen dann die Torfsoden als Brennmaterial beim Kunden an - und der hatte es schön warm..

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Hinweis:
Wie im Moorgebiet von Krempermoor Torf gewonnen wurde, zeigen die jährlich stattfindenden “Krempermoorer Moortage”.
Auf einer kleinen Freifläche wird an verschiedenen Stationen eindrucksvoll demonstriert, wie die Menschen zu damaliger Zeit mit einem Kescher die

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Torferde aus den Moorkuhlen zogen. Die Weiterverarbeitung des gekescherten Moorbodens bis hin zur fertigen Torfsode, die in jener Zeit zum Heizen benötigt wurde, wird hier gezeigt.

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